Präsentismus: wenn wir krank arbeiten gehen

Hand aufs Herz: Wer ist auch schon einmal krank zur Arbeit gegangen?
Weil man die Kolleg:innen nicht im Stich lassen wollte? Oder weil man nicht als „ständig krank“ oder „schwach“ gelten wollte?
Ich kenne es nur allzu gut, arbeiten zu gehen, obwohl ich mich krank fühle. Und ich habe mich gefragt: Was, wenn dieser vermeintliche Einsatz uns mehr kostet, als wir denken? Persönlich, körperlich und auch wirtschaftlich.

Migräne: Situation in Österreich
Ein Blick auf Migräne und die Situation in Österreich zeigt, wie groß das Problem ist:
Rund 1 Million Menschen leben mit Migräne – die meisten davon sind Frauen im erwerbsfähigen Alter
Nur etwa 8 % erhalten eine leitliniengerechte Therapie.
Betroffene fehlen nicht nur krankheitsbedingt. Viele arbeiten auch während einer Attacke. Oder sie arbeiten weiter, wenn sich eine Migräne mit Vorboten ankündigt oder wenn die Nachwirkungen einer Migräne noch voll in Gange sind.
Ich denke, es ist nicht schwer zu erraten, dass in diesen Situationen die Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt ist. Das ist Präsentismus.
Wenn ich krank arbeite, sieht das ungefähr so aus: ich kann mir nichts merken. Mir fallen Worte nicht ein. Um eine ganz kurze E-Mail zu schreiben brauche ich mindestens doppelt so lange – und selbst dann klingt es eher „vermurkst“. (Vielleicht poste ich einfach das nächste Mal zwecks Anschaulichkeit ein Beispiel meiner „vermurksten“ E-Mail.)
Was bedeutet Präsentismus für Unternehmen?
Weniger Konzentration. Mehr Fehler. Längere Erholungsphasen. Und möglicherweise vermeidbare Kosten.

Dabei gäbe es einfache Ansatzpunkte.
✅ Ein Beispiel: ein ruhiger, reizarmer Rückzugsraum. Er kann Betroffenen helfen, früh auf eine beginnende Attacke zu reagieren. Zusammen mit einer individuell passenden Akuttherapie kann das eine Migräneattacke stoppen.
🪝 Der kleinere Haken daran: Es braucht Aufklärung, die richtige Diagnose und die passende Therapie.
🪝 Der größere Haken: Den Rückzugsraum nutzt wohl nur, wer nicht befürchten muss, als weniger leistungsfähig abgestempelt zu werden.
Mich interessiert daher wirklich: Gibt es in Ihrem Unternehmen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements schon einen ruhigen, abgedunkelten Rückzugsraum? Wird er genutzt? Oder ist er längst zur Abstellkammer geworden?
Was wir als Initiative Schmerz tun:
Wir vermitteln leitliniengerechtes Wissen über die Erkrankung und zu passenden Anlaufstellen. Für Betroffene, Angehörige und Gesundheitsberufe gleichermaßen.
Dieses Wissen hat aus meiner Sicht einen tollen Nebeneffekt: Es baut Stigmatisierung ab.
Außerdem bringen wir Angehörige der Gesundheitsberufe in Interdisziplinären Netzwerktreffen zusammen: So werden die Wege für Patient:innen kürzer und effizienter.
📌 Am 5. November 2026, ab 17:30 Uhr findet am Campus Alsergrund (AKH) das nächste Netzwerktreffen statt. Das Thema: „Kopfschmerzen unplugged".
Anmeldung unter: schmerzlinks.at/veranstaltungen





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